4. Bedingungen glücklichen Lebens

4. Arbeitsgruppe – Lokalität, Sozialität und Transformation als Bedingungen glücklichen Lebens

Teilnehmer
Prof. Dr. Felix Ekardt, Prof. Dr. Martina Heßler, Prof. Dr. Angelika Krebs, Prof. Dr. Niko Paech, Prof. Dr. Reinhard Pfriem, Prof. Dr. Reinhard Schulz

Paten
Marina Beermann, Hedda Schattke

Botschaft an die Öffentlichkeit:
Die Frage nach dem Glück erzeugt mehr Fragen als Antworten. Ein glückliches Leben aber ist ohne lokale Verwurzelung und lebendiges Miteinander nicht vorstellbar.

Kein Mensch will nur eine austauschbare Nummer sein. Kein Mensch will an nur austauschbaren und dazu immer hässlicheren Orten leben. Gegen die Auswechslung und Verschandelung gewachsener Landschaften ist die Glücksdimension menschlicher Besonderung, die lokaler Verwurzelung des Menschen in so etwas wie einer Heimat einzuklagen.

Lebendiges Miteinander ist eine Bedingung der Möglichkeit von Glück. Es lebt von der Andersheit der Anderen und besteht im denkenden Hinhören, fragenden Staunen und gesteigerter Aufmerksamkeit. Dies können die die auf den Klimadiskurs gerichteten Medien und Expertensysteme nicht bereitstellen.

Christa Wolf sprach von zwei Möglichkeiten des Lernens: Dem Lernen aus Liebe und dem Lernen aus Leid. Das Leid, aus dem wir endlich lernen müssen, ist der Verlust natürlicher Erfahrung, die Zerstörung von Landschaften und die zunehmende Austauschbarkeit von Orten.

Das Lernen aus Liebe bedarf der Erfahrung neuer Lernorte: Positive Erlebnisse lokaler und regionaler Natur, gemeinschaftlichen und verantwortlichen Lebensweisen, das Leben lokalen Eigensinns und neuer heimatlicher Lebensformen, in den Bindung und Naturschutz Hand in Hand gehen. Ohne Ökophilia und ohne gelebtes Gemeinwesen werden wir den Klimawandel nicht bewältigen.

Botschaft an Unternehmen und Wirtschaft:
Lernprozesse, Klimawandel, Ressourcenknappheit und andere Faktoren ermöglichen zunehmend einen Wandel hin zu stärker lokal ausgerichteten Wirtschaftsformen. Umorientierung auf „Klasse statt Masse“ ist dafür zentral. Produktionssysteme, die weniger spezialisiert und räumlich globalisiert sind, verbinden Klimaschutz mit Glück. Erstens bedeutet die Orientierung an neuer oder reaktivierter Lokalität für die an der Wertschöpfung beteiligten Individuen – Arbeitnehmer und (ehemalige) Konsumenten – glücksstiftende Gestaltungsspielräume, Identität und Erfahrungen. Zweitens tragen verringerte Distanzen zwischen Verbrauch und Produktion zum Klimaschutz bei, dass Wachstumszwänge und unmittelbare Energieverbräuche gemildert werden. Von der Vergangenheit her sind Unternehmen darauf programmiert, individuelle Konsumenten oder eine anonyme Masse davon anzusprechen und auf die Maximierung ihrer Kapitaleigner orientiert. Zukunftsfähige Unternehmen und Unternehmensneugründungen richten sich darauf, soziale Erfahrungs- und Lernräume für Menschen zu schaffen, um den steigenden Bedarf an kollektiven Wohnformen, an community gardens und anderen Formen urbaner Subsistenz, an guten Lebensmitteln und Naturerlebnissen in unmittelbarer Nähe zu befriedigen. Um das zu leisten, sind Genossenschaften, Stiftungen u.ä. die unmittelbar vorteilhaftere Form des Unternehmens.