Spiekerooger Thesen 2015

Dr. Irene Antoni-Komar
Gardening-Initiativen sind hoffungsvolle Zeichen einer Rückgewinnung ernährungskultureller Fähigkeiten mittels experimenteller Naturerfahrung. Ob als soziale Innovation oder widerständige Graswurzelbewegung adressiert, erschaffen die neuen Gärtnerinnen subjektive Gegenentwürfe zur entgrenzten Vereinnahmung von Natur in der machtförmigen und krisenanfälligen globalen Ernährungsindustrie oder der Natursimulation in erde- und sonnenlos funktionierenden vertikalen Gewächshausarchitekturen. Unser widersprüchliches Verhältnis zur Natur stellt uns heute mehr denn je vor die Frage: Was bedeutet Natur für uns? Entgegensetzungen zum Menschlichen, wie ursprünglich-zivilisiert, natürlich-künstlich oder Natur-Technik liefern keine geeigneten Referenzkriterien (mehr). Hat sich doch längst das Selbstverständliche und Verlässliche von Natur in einem riskanten Umgang mit ihr aufgelöst. Erfordert es also Mut, die Konsumkomfortzone zu verlassen und eine selbstbestimmte Versorgung mitzugestalten? Das Tun behutsamer Allmendepfleger im vertrauten lokalen Kontext und demonstrativer Okkupierer von urbanen Brachflächen ist in seiner transformativen Wirkung nicht rückwärtsgewandte Paradiessehnsucht, sondern eigensinnige Re-Naturierung und somit mutige Neuausrichtung unserer basalen Lebensbedingungen.

Prof. Dr. Eve-Marie Engels
Die Möglichkeit einer Evolution von Arten und Biodiversität setzt nicht nur Konkurrenz, sondern auch Kooperation von Organismen voraus. Ohne gegenseitige Hilfe unter unseren nichtmenschlichen und menschlichen Vorfahren wäre der Jetztmensch nicht entstanden. Allerdings nimmt der Mensch in zweifacher Hinsicht eine Sonderstellung in der Natur ein. Zum einen ist er auf Grund seiner hohen kognitiven Fähigkeiten und seines Selbstbewusstseins das einzige moralfähige Lebewesen. Zum anderen ist er gerade auf Grund dieser kognitiven Fähigkeiten das einzige Lebewesen, das in einem relativ kurzen Zeitraum Arten und Ökosysteme zerstören und ausrotten kann. Kurzfristige Perspektiven ökonomischen Nutzens lassen die langfristigen Folgen der Naturzerstörung häufig in den Hintergrund treten. Nicht nur in Verantwortung für zukünftige Generationen von Pflanzen, Tieren und Menschen, sondern auch im Sinne eines wohlverstandenen Eigeninteresses gilt es, die Natur nachhaltig zu bewahren. „Sollen setzt Können voraus“, lautet ein alter Grundsatz der Ethik, doch muss sich umgekehrt das Können auch nach dem Sollen strecken.

Dr. Daniela Gottschlich
Die Beziehungsgeschichte von Mensch und Natur der kapitalistischen Moderne ist vor allem eine Geschichte der Unterwerfung, Ausbeutung und Zerstörung. Nachhaltigkeit als Paradigma einer intra- und intergenerativen gerechten Entwicklung erfordert hingegen einen radikalen Umbau jener Produktions- und Lebensweisen, die bisher auf (zeitlicher und räumlicher, inner- und zwischengesellschaftlicher) Externalisierung gründen. Der Übergang von einer "Externalisierungsdemokratie" (Massarrat) zu einer (vor)sorgenden Demokratie erfordert nicht zuletzt sowohl ein anderes Verständnis von als auch einen anderen Umgang mit Natur. Es geht um die Anerkennung der natürlichen Regenerationszeiten, von Natur als Partnerin und als Wert an sich. Eine solche (vor)sorgende Mensch/Gesellschaft-Natur-Beziehung bricht mit den Zumutungen, die in den Prozessen der Kommodifizierung von Natur stecken und die das Lebendige mit fatalem Folgen der Logik der monetären Profitmaximierung unterwerfen.

Dr. Tobias Hartkemeyer
Für den Schritt vom Ego- zum Ökosystembewusstsein brauchen wir neue Lernorte als konkrete Erfahrungsfelder, in denen wir gemeinsam die Natur als ein zu kultivierendes Öko-System wahrnehmen und gestalten und wo Handlungen aus einer gemeinsamen Wahrnehmungs- und Willensbildung entstehen können. Der Sinnzusammenhang, also die Notwendigkeit des Handelns sollte direkt erfahren werden können. Solidarische Landwirtschaft bietet eine ideale Grundlage für solche Erfahrungsfelder, in denen wir nicht nur Öko-Systeme, sondern auch Empathie-Systeme kultivieren und wo sich Dialogische Intelligenz ausbilden kann. Die solidarische Wirtschaftsform eröffnet eine neue Perspektive, vom „ich kaufe mir Lebensmittel“ zum „ich ermögliche vielfältigen Landbau“. Dadurch kann der primär fragmentierende Verstand ganzheitliche Zusammenhänge besser denken lernen.
Ein solcher Ort ist ein Idealbild für Handlungspädagogik: der Erwachsene erzieht sich selbst und das Genie des Kindes kann wirksam werden, indem es im Umkreis dieser Beschäftigungen mitlebt und durch die nachahmende und nachmachende Tätigkeit seine Selbsterziehung praktizieren kann.

Dr. Hans-Jürgen Heinecke
Moderne Gesellschaften scheinen eine prinzipielle Präferenz für mechanistisch-technische Lösungen zu haben: alles ist machbar, wenn man nur gut genug nachdenkt. In diesem Kalkül spielt das Natürliche eine untergeordnete Rolle.
Um den gesamten Lösungsraum zu erkennen, ist es sinnvoll, auch den Gegensatz mitzudenken. Und was ist der Gegensatz zu „Machbarkeit“? Spannende Frage. Zumutung wäre für mich ein ernstzunehmender Kandidat. Eine Zumutung muss man auf sich nehmen. Eine schnelle Lösung ist nicht in Sicht; der Lösungsvorrat ist erschöpft. Mit Zumutung verbinde ich den Mut, sich einzugestehen, dass es durch technische Lösungen nicht gelingen wird, eine Veränderung herbeizuführen.
Meine zentrale These: Mit Natur und Evolution als Zumutung werden wir nur umgehen können, wenn wir „Machbarkeit“ als tiefsitzendes Identitätsmerkmal moderner Gesellschaften aufgeben.
Das wird schwer, sehr schwer sogar, denn wer lässt schon gerne zu, dass man das Fundament des eigenen Wohlstandshauses angreift. Verdrängung ist stattdessen angesagt. E-Mobility ist so ein perfekt inszenierter Verdrängungsversuch, um sich nicht die Frage zumuten zu müssen, wie viel Mobilität wir uns generell leisten wollen.
Und das Tückische an unserem SKG-7-Thema? Wenn wir zukunftsfähige Gestaltung ausschließlich als Umbauauftrag für Wirtschaft und Gesellschaft deuten, dann schaut die „Machbarkeit“ schon wieder um die Ecke und lacht sich ins Fäustchen! Wir werden einer Veränderung unserer Einstellungen nicht ausweichen können. Es bleibt dabei: Wir selbst müssen die Veränderung sein, die wir in der Welt sehen möchten! (Mahatma Gandhi)

Dr. Hartwig Henke
Das Sein und das Handeln bestimmen das Bewusstsein und das Wissen. Dies ist eine alte philosophische Erkenntnis. Dennoch – obwohl vielfach diskutiert – hat sie sich in der Konkretion sozial-, insbesondere erziehungswissen-schaftlicher Erkenntnisse nicht als ein selbstverständliches Axiom in Erziehung und Bildung durchsetzen können. Es herrscht inzwischen weitgehend Übereinstimmung darin, dass der heute vorherrschende Werte-Begriff zu einem umfassenderen, ganzheitlichen Werte-Verständnis entwickelt werden muss. Dies ist aber nur möglich, wenn wir dort ansetzen, wo Kinder und Jugendliche in ihren Bildungsprozessen sich selbst erfahren und bewähren können, nämlich im Leben mit anderen Menschen und der Natur.

Prof. Dr. Anna Henkel
Gesellschaftstheoretische Perspektiven auf Natur-Kultur-Verhältnisse und deren Folgen
Seit den 1970er Jahren fragt die Soziologie nach dem Verhältnis des Sozialen zu Materialität, Dingen und Natur. Angesichts des Umstands, dass diese Disziplin sich darüber definiert, Soziales aus Sozialem zu erklären, haftet einem solchen Interesse an „Natur“ bis heute etwas Heterodoxes an. Dass es sich dabei dennoch um eine unterdessen als relevant akzeptierte Perspektive handelt, resultiert daraus, dass die Soziologie Teil der Gesellschaft ist, die sie beforscht – und diese Gesellschaft seit den 1970er Jahren mit den unintendierten (Neben-) Folgen eines auf Kausalität, Rationalität und Effizienz orientierten Weltverständnisses konfrontiert ist. Angesichts dessen gilt es, das gesellschaftstheoretische Repertoire der Soziologie fruchtbar zu machen für die Untersuchung einer Gesellschaft, die ausgehend von einem spezifischen und historisch jungen Weltverständnis mit neuartigen Nutzungsformen zugleich ein spezifisches Zerstörungspotential schafft. Derart gesellschaftstheoretisch informiert gilt es, Risiko als andere Seite der Innovation in einer Wissensregulierung einzubeziehen, die stets vor dem Paradox steht, in der Regulierung auf das Wissen zurückgreifen zu müssen, das zu regulieren sie bestrebt ist. Der Beitrag erörtert das Potential soziologischer Gesellschaftstheorie für die Nachhaltigkeitsforschung, skizziert praktische Konsequenzen und exemplifiziert die Überlegungen am Beispiel der Bodenverhältnisse.

Dr. Thomas Kirchhoff
Auch noch im sogenannten Anthropozän gilt: ’Die’ Menschen brauchen Natur. Sie brauchen bestimmte Naturphänomene zur Produktion von Nahrung, Rohstoffen usw. Und sie brauchen bestimmte Naturphänomene wie Wildnisgebiete und historische Kulturlandschaften wegen ihrer ästhetischen Qualitäten und symbolischen Bedeutungen. „Naturvergessenheit“ liegt vor, wenn diese materielle und nicht-materielle Angewiesenheit des Menschen auf bestimmte Naturphänomene gesellschaftspolitisch ignoriert wird. Unter Naturvergessenheit leidet nicht „die Natur“, sondern unter ihr leiden bestimmte menschliche Bedürfnisse, Interessen und Werte. Unter ihr leiden vor allem arme Menschen, während andere Menschen von ihr profitieren, weil sie ihnen größere Gewinne, mehr Konsum usw. ermöglicht. Naturvergessenheit ist wesentlich auch ein Zustand intra- und intergenerationeller Ungerechtigkeit, der durch bestimmte Machtkonstellationen stabilisiert wird.

Prof. Dr. Kristian Köchy
Die Anwendung des Evolutionsgedankens auf die Mensch-Natur-Beziehung im Kontext des
Klimawandels kann drei Formen annehmen: Der evolutionäre Rousseauismus versteht Klimawandel als Folge einer von der Natur entfremdeten technischen Zivilisation und fordert neue Naturausrichtung. Die evolutionäre ‚Mängelwesen‘ These erkennt technische Verursachung des Klimawandels an, versteht Technik aber als evolutionär erworbene anthropologische Konstante und sieht Problemlösung nur als verstärkte technische Anstrengung. Für die evolutionäre Eschatologie ist das Klimaproblem selbst Mechanismus der Evolution. Von Menschen verursachte Katastrophen sind lediglich extreme Form des Endes biologischer Populationen, deren Wachstum größer ist, als die zur Verfügung stehenden Ressourcen. Wegen der Unabwendbarkeit dieses evolutionären Schicksals ist Fatalismus,
Hedonismus oder Hoffnung auf spirituelle Transzendenz geboten. Gegenüber diesen drei Biophilosophien hat das Programm der ‚Integrativen Biophilosophie‘ wesentliche Vorteile: (1) Es ist nicht auf Sachbeschreibung ausgelegt (und entgeht dem Einwand des naturalistischen Fehlschlusses), sondern eröffnet im Rekurs auf Hans Jonas mit
den kombinierten Perspektiven der ‚Dialektik der Freiheit‘ und der ‚Vulnerablität des Lebens‘
erst das Feld normativer Aussagen. (2) Das anthropologische Pendant der ethischen Ausrichtung ist die Anerkennung eines Kontinuums von Lebewesen, ohne in Biologismus oder Naturalismus zu verfallen, denn durch Bezug auf Helmuth Plessner wird die Sonderstellung von Menschen als konstitutiv heimatlos und zur Verantwortung befähigt berücksichtigt. (3) Wegen dieser anthropologischen Differenz ergibt sich keine Dichotomie sich ausschließender Idealziele (zurück zur Natur oder Rettung durch Technik), sondern eine konkrete
Differenzierung: Obwohl ein Aufgehen in der Natur unmöglich ist, ist doch Kritik an der Technik wegen des Überlebens von Menschen in der Natur gefordert. (4) Da menschliche Existenz grundsätzlich offen ist, sind fatalistische Haltungen ebenso verfehlt wie angesichts existenzieller Möglichkeiten des Scheiterns technisch-evolutionärer Fortschrittsglaube. Hedonistisches Aufgehen in biologischen Trieben oder Flucht in extramundane Sphären widersprächen sowohl der individuellen Verpflichtung von Menschen als verantwortlichen Wesen als auch der Einsicht in das Eingebundensein von Menschen in diese Welt.

Dr. Christian Lautermann
Der mit den 7. Spiekerooger Klimagesprächen aufgeworfene Themenkomplex betrifft die globale und epochale Frage nach dem Stellenwert der Menschheit in der Natur bzw. im Ökosystem Erde. Seit über 30 Jahren existieren umfassende systemische Orientierungen, was zu tun ist, um auf einen nachhaltigen Pfad der Menschheitsentwicklung zu gelangen. Angesichts der ausgebliebenen globalen Wende reicht es jedoch offenbar nicht aus, sich der Verflochtenheit im "Lebensnetz" (F. Capra) gewahr zu sein und entsprechende Grundregeln abzuleiten, die den Weg "vom technokratischen zum kybernetischen Zeitalter" (F. Vester) weisen. Statt sich alleine an der "Vernunft" der Natur zu orientieren, erscheint es zunehmend wichtiger sich mit der Unvernunft der Menschen zu beschäftigen. Geht es um die verantwortungsvolle Gestaltung von Wirtschaft und Gesellschaft, müssen wir über den Bezugsrahmen Natur hinausgehen. Denn die realistische Befürchtung hinter dem Problem der Klimadestabilisierung ist nicht etwa ein drohendes "evolutorisches Ende der Gattung Mensch". Vielmehr steht im Wesentlichen eine Reihe von zivilisatorischen Errungenschaften auf dem Spiel, deren Verlust schlicht Barbarei bedeutet. Insofern liegen pragmatischere Lösungsperspektiven nicht mehr auf der Ebene, ob "die Menschheit" zu einem Kurswechsel im Sinne einer evolutionären Anpassungsleistung fähig sein wird. Einer Transformation in Richtung Nachhaltigkeit stehen nicht vorrangig die Schattenseiten des wissenschaftlich-technischen Fortschritts im Wege. Vielmehr gilt es, kulturell die Tendenz menschlicher Gesellschaften zu analysieren hin zu Strukturen, bei denen Wenige auf Kosten der großen Mehrheit Macht ausnutzen. Das Gegenprogramm heißt Zivilisierung: Mit dem Erkämpfen, Durchsetzen und Verteidigen abgesicherter Rechte und Pflichten von gleichwertigen mündigen Bürgern kann nicht nur gesellschaftliche Stabilität erreicht werden. Zivilität ist auch die Voraussetzung für die langfristige Wiederherstellung klimatischer Stabilität.

Prof. Dr. Marco Lehmann-Waffenschmidt
Schon der Ausdruck „Anthropozän“ läßt beim Leser die Alarmglocken läuten – sind nicht alle früheren erdgeschichtlichen Epochen mehr oder weniger zerstörerisch zu Ende gegangen? „Schon wahr, aber das dauerte doch dann etliche Millionen Jahre“, könnte jemand einwenden. Schon, aber was wäre, wenn sich die Beschleunigung unserer Lebenswelt auch in Form einer verkürzten Dauer der „menschbestimmten“ Epoche auswirken würde? „Warum sollte sich denn die Spezies homo sapiens sapiens sehenden Auges selbst die Lebensgrundlagen abgraben?“ könnte die nächste Frage sein. „Die evolutionsbiologisch offenbar superioren, da ja nicht ausselektierten, alten Verhaltensmuster unserer Spezies helfen auf selbstorganisierte Art und Weise, eine Katastrophe zu verhindern!“ Wirklich? – nein, denn hinter dieser Idee steht ein sträflich naiver Optimismus, entstanden aus einem vulgärdarwinistisch-spencerianischen Verständnis, das temporäre Viabilität verwechselt mit retentiver Optimierung. Die historischen Fakten der Menschheitsgeschichte sprechen jedenfalls nicht dafür, daß alte, stammesgeschichtlich stabile Verhaltensmuster der Spezies „moderner Mensch“ automatisch zu nachhaltigem Verhalten führen würden: Steigerung und Entgrenzung sind per se selbstzerstörende, nicht selbsterhaltende Prozesse. Die einzige Chance des anthropozänischen Hauptakteurs besteht in Selbstbeobachtung und Selbstreflexion, die über individuelle und soziale Lernprozesse zur nachhaltigen Verhaltensadaption führen können – wie es die Spiekerooger Klimagespräche zum Ziel haben.

Prof. Dr. Jürgen Manemann
Für eine neue Humanökologie
Wer vom Klimawandel spricht, der darf nicht von den Wahrnehmungen, Gefühlen und Gewohnheiten schweigen, die menschliches Handeln bestimmen. Der Klimawandel erfordert einen Kultur- und Zivilisationswandel. Im Vordergrund stehen kulturelle und soziale Herausforderungen. In den umweltpolitischen Debatten wird der Klimawandel jedoch immer noch in erster Linie als ein Problem betrachtet, das technisch zu lösen sei. An der Zeit ist deshalb eine neue Humanökologie. Die neue Humanökologie fragt angesichts der Herausforderungen durch den Klimawandel nach Denk- und Handlungsblockaden. Als aktivierende Umweltphilosophie rückt sie die Frage nach dem Empowerment ins Zentrum der Überlegungen. Die neue Humanökologie setzt die Frage nach dem guten Leben auf die Agenda umweltpolitischen Denkens und Handelns. Sie zielt auf die Transformation der Zivilgesellschaft in eine Kulturgesellschaft.

Prof. Dr. Martin Müller
Um einen Bezug zur Natur wieder herzustellen, bedarf es einer Überwindung der Disziplin und Kontrolle, welche modernen Gesellschaftern inzwischen inhärent – und zwar in zunehmendem Maße – sind. Anknüpfen möchte ich hier an das Konzept der Bio-Macht-Analyse Foucaults. Disziplin bezeichnet dabei die normierende Einwirkung der Institutionen einer modernen Gesellschaft auf den individuellen Körper, dessen Einübung in Schulen, Fabriken, Gefängnissen, Krankenhäusern usw. sozialisiert wird. Die Self Governance erreicht zurzeit ihren Höhepunkt in einer mittels Mobiltelefon und Apps sowie dahinterstehenden Algorithmen optimierten Lebensweise.

Prof. Dr. Georg Müller-Christ
Ich verstehe das Thema als ein Positionierungsspiel von Natur, Wirtschaft und Gesellschaft. Gibt es eine gute Ordnung, ein stimmiges Bild der drei Elemente oder gibt es nur ein Floaten je nach Situation?  Können diese drei Elemente überhaupt in Beziehung treten? Eine systemische Visualisierung zeigt, dass Natur ein Element ist, welches mit Wirtschaft und Gesellschaft nicht in Beziehung treten kann. Andersherum sind Wirtschaft und Gesellschaft sehr wohl in Beziehung zur Natur und können auch ihre Positionen zur Natur ändern. Wenn Natur unbeweglich ist und keine Resonanzräume hat, um in Beziehung zu treten, bleibt die Frage übrig, ob die Wirtschaft oder die Gesellschaft näher zur Natur steht. Entgegen weit verbreiteter Annahmen gehe ich davon aus, dass es in einer postmodernen Welt Aufgabe der Wirtschaft ist, zwischen der Restriktion Natur und den unendlichen Bedürfnissen und Potenzialen von Gesellschaft zu vermitteln. Wirtschaft fängt schon heute an, langsam sich diesem Spanungsfeld zuzuwenden und sich dem Spannungsfeld zu nähern. In diesem Bild arbeitet nicht mehr die Gesellschaft die Nebenfolgen des Wirtschaftens ab, sondern die Wirtschaft ist in enger Diskussion mit der Gesellschaft über einen effizienten Ressourceneinsatz für sinnvolle Zwecke. Sinn ist Aushandlungsgegenstand der beiden Systeme.

apl. Prof. Dr. Niko Paech
Zunächst hieß es, Klimaschutz sei nötig, um die Natur und folglich die menschlichen Lebensgrundlagen zu retten. Mittlerweile wird die Natur zerstört, um den Klimaschutz zu retten. Mit Hilfe der sog. „Energiewende“ werden allerletzte Naturreserven, die von bisherigen Industrialisierungswellen verschont geblieben sind, materiell nachverdichtet. Der Zweck, eine bestimmte Natur zu retten, heiligt die Mittel, mit denen eine andere Natur dezimiert werden muss. Die Ausdehnung des Klimaschutzes zerstört, was er zu schützen vorgibt. Dramatischer hätte das Unterfangen der ökologischen Modernisierung nicht scheitern können. Auf dem übervollen Planeten ist es so eng geworden, dass technischer Klimaschutz kannibalistische Züge annimmt: Natur gegen Natur. Wer darf überleben? Der Stärkere?

apl. Prof. Dr. Helge Peukert
Die heutige wissenschaftliche Mainstream-Erklärung der Natur und des Universums überhaupt ist materialistisch, nihilistisch, agnostisch und unbegreiflich: Wir wissen nicht, woher das Universum kommt und warum es z.B. die vier fundamentalen Kräfte oder die Naturkonstanten gibt, 95 Prozent der Materie ist für uns dunkel und (bisher) schleierhaft. Sie ist materialistisch und reduktionistisch, da aus den Verdichtungen weniger Ursprungselemente schließlich Galaxien, Sterne und Planeten entstanden. Sie ist nihilistisch, da kein Sinn bzw. keine Zielsetzung in dieser Entwicklung zu erkennen ist. Dies betrifft auch die Entwicklung auf der Erde: Ohne "zufälligen" Katastropheneinschlag hätte sich der Mensch nicht aus einem kleinen, unter der Erde lebenden Tier angesichts der Gefahr der Dinosaurier über mutationszufällige Artenentstehungs- und vernichtungsentwicklungen in den Herrscher der Welt verwandeln können, der aber über einen genetischen Code wie alle anderen Lebewesen gesteuert wird. Er ist längerfristig irrelevant, da eines Tages die Sonne die Erde zerschmelzen wird. Die bekannten physikalischen Phänomene sind dem Alltagsverstand völlig unbegreiflich, z.B. die möglichen Materiekonzentrationen auf engstem Raum in einem schwarzen Loch oder die unterschiedlichen Zeitperspektiven am Rande eines solchen im Vergleich zu der in weiterer Entfernung davon. Ist es möglich, diesem grauen Bild einen sinnhaften, vitalistisch-bunten und dennoch aufgeklärten Entwurf "der Natur" entgegenzuhalten?

Prof. Dr. Reinhard Pfriem
Was Natur ist und was sie dem Menschen geben kann, ist durch eine beschreibende Naturwissenschaft Ökologie nicht zu erfassen, erst recht nicht durch Wirtschaftswissenschaften, die Natur bloß als "Sack von Ressourcen" (Hampicke) behandeln. Insoweit kulturelle Evolution als der natürlichen gegenübergestellt vom technischen Machbarkeitswahn getrieben ist, zerstört sie nicht nur Natur als das Unverfügbare und auf die Menschen nicht Angewiesene, sondern auch die Qualität menschlichen Lebens, die auf Naturerfahrungen als "Resonanzraum" (Rosa) angewiesen ist. Kulturelle und damit evolutorische Qualitäten lassen sich nicht beweisen: "Qualität ist eine unmittelbare Erfahrung, unabhängig von intellektuellen Abstraktionen und ihnen vorausgehend." (Pirsig) Ob die kulturelle Evolution noch eine angemessene Fortsetzung der natürlichen wird, hängt daran, ob wir gerade innerhalb von Ökonomie und Technik genügend Natur-Erfahrungsräume zu erschließen vermögen. Unsere mögliche Moral heißt kulturelle Bildung. Die Kunst bestünde darin, die Vieldeutigkeit der Wahrnehmungen (Kirchhoff/Trepl) und die Vielfalt des Lebendigen so zu kultivieren, dass daraus gleichwohl ein ein-deutiger Wärmestrom (Bloch) resultiert.

Dr. Wolfgang Sachs
Papst Franziskus, der Popstar auf dem Stuhle Petri, hat mit seiner Enzyklika "Laudato Si'" die Grundfragen der Naturphilosophie in den Mittelpunkt der Weltöffentlichkeit gerückt. Sein Drängen, die Kubakrise zu beenden, wird bald vergessen sein, jedoch sein Engagement für Flüchtlinge wie insbesondere sein Plädoyer für eine öko-soziale Umkehr wird historisch weitreichende Folgen haben. Der Papst äußert sich grün-rot, und gerade deshalb wirft er viele Fragen auf.

1. Was ist der Mehrwert in dieser wissenschaftlich geprägten Zeit, von "Schöpfung" zu sprechen? Wärmt es das Herz oder hat es ein "fundamentum in re"?
2. Wird die Rede von der Schöpfung salonfähiger, wenn die Naturwissenschaftler die Welt als ein Gewebe von Netzwerken deuten und nicht mehr als ein Räderwerk von Maschinen?
3. Ist "der Mensch" mit seiner "Technosphäre", vom Herzschrittmacher bis zu den CO2-Emissionen, nicht auch ein Teil der Schöpfung?
4. Die Religionen sprechen von "Bewahrung der Schöpfung". Ist das ein Widerspruch zu dem Befund, dass die Natur, von den Molekülen bis zur Milchstraße, fern vom Gleichgewicht, also in dynamischer Bewegung begriffen ist?

Der Papst und die Kirche sind eine mythenproduzierende Institution, aber Mythen scheinen unerlässlich zu sein, um die Menschen an ihre Verantwortung - auch ein Evolutionsprodukt - der Mit- und Nachwelt gegenüber zu erinnern.

Prof. Dr. Gregor Schiemann
Natur als gegenwärtige und zukünftige Zumutung
Der Mensch ist das Naturwesen, das vorgegebene Bedingungen wie kein anderes irdisches Lebewesen zu überschreiten vermag. Für dieses transzendierende Vermögen sind die eigene Natur des Menschen, vor allem der Tod, wie die umgebende Natur der Erde und des Kosmos Zumutungen. Allein schon in zeitlicher Hinsicht steht die Langsamkeit der Natur den Veränderungsgeschwindigkeiten entgegen, die den Schöpfungen menschlicher Gestaltungskraft zukommen. Die gegenwärtige Umweltkrise kann als erster globaler Ausdruck dieser anthropologischen Problematik verstanden werden. Es gibt keine Gewißheit, aber doch einige Gründe anzunehmen, dass nachträgliche Korrekturen die Entwicklung von Wirtschaft und Gesellschaft auf die begrenzten Ressourcen einstellen und damit der Umweltkrise entgegenwirken werden. Solange ihm ein kosmischer Ausweg versperrt ist, bleibt der Mensch an die irdischen Lebensbedingungen gebunden. Aber für diesen Ausweg könnte die menschliche Natur nicht geschaffen sein. Mit der zunehmenden Einsicht in den Inselcharakter der Erde käme die Zumutung der Natur erst ganz zu Bewußtsein.

apl. Prof. Dr. Reinhard Schulz
Der Begriff der Evolution ist heute in aller Munde und findet in sehr verschiedenartigen Sprachspielen eine breite Verwendung. Das ist in einer säkularisierten Gesellschaft kein Wunder, der zunehmend klar wird, dass mit Steuerung und Planung nicht alles gesagt ist, es ein Zurück zu antiker Teleologie, christlicher Schöpfungslehre, geschweige denn einer eschatologischer Geschichtsphilosophie aber auch nicht geben kann. Aber Evolution ist bekanntlich überall und ruft daher ein übergreifendes Interesse an einer "Morphogenese von Komplexität" (Spencer, Luhmann) wach. Dabei wird zunehmend deutlich, dass diese Interessen jenseits herkömmlicher Unterscheidungen von Natur und Kultur oder Evolutionstheorie und Naturphilosophie angesiedelt sind, was Autoren wie Latour oder Hampe vom "Ende der Natur" hat sprechen lassen.
Eine zeitgemäße Auseinandersetzung mit Natur und Evolution ist daher gut beraten, den Gebrauch ursprünglich der biologischen Evolutionstheorie entstammender Begriffe wie Variation, Selektion und Stabilität im Sinne einer Genealogie der Evolution in anderen Sprachspielen zu hinterfragen, um sie ihres ideolgischen Gehalts zu entkleiden, wie er z.B. in der Ökonomie in der Formel von der Konkurrenz durch die Diversifikation von Märkten zu finden ist. Wenn der besondere Reiz der Evolutionstheorie darin liegen sollte, keine Fortschritts- , Planungs- oder Steuerungstheorie anbieten zu können (Luhmann), macht eine Auseinandersetzung mit ihr heute allemal Sinn, um der einen oder anderen falschen Versprechung besser auf die Spur zu kommen und damit zur Entparadoxierung unseres Zusammenlebens beitragen zu können.

PD Dr. Astrid Schwarz
Mit dem erklärten Eintritt in das Zeitalter des Anthropozän ist auch die Frage danach, was Natur eigentlich sei, überholt. Die natürlichen Ressourcen und Stoffkreisläufe des Planeten, die Entstehung von Landschaften, das Evolutionsgeschehen sind nicht mehr unabhängig von menschlichen Einflüssen. Gleichzeitig steigern die Natur- und Ingenieurswissenschaften permanent ihre Fähigkeiten diesen "domestizierten Planeten" zu manipulieren. In den Blick genommen wird die Bewirtschaftung des gesamten Planeten, wobei Konzepte und Objekte oft der Logik einer Gartenökonomie und gärtnerischen Praxis folgen. Dieses Sprachspiel des “Gärtnerns” unterscheidet sich diametral von demjenigen, das in der Bewegung des städtischen Gärtners in Gebrauch ist und ebenfalls auf den Klimawandel Bezug nimmt. Die Unterschiede zeigen sich in den jeweiligen sozialökonomischen Praxen und an den hervorgebrachten technowissenschaftlichen Objekten.

Prof. Dr. Harald Spehl
Die Zumutung des kapitalistischen Wirtschaftssystems an die Gesellschaft und die Natur/Mitwelt besteht darin, dass die Akteure dieses Teilsystems eine dauernde Expansion auf Kosten der anderen Teilsysteme betreiben. Entscheidende Elemente und theoretische Grundlagen sind dabei die Paradigmen des ökonomischen Wachstums als Ziel und der Konkurrenz auf Märkten als zentrales Steuerungselement.
Es ist bislang nicht gelungen, im Rahmen des Konzeptes der Nachhaltigen Entwicklung die zentrale Bedeutung einer Sichtweise der Wirtschaft als Teilsystem innerhalb der Gesellschaft und dieser innerhalb der Natur/Mitwelt wirklich ins Bewusstsein der Menschen zu bringen. Dazu tragen weite Teile der ökonomischen Wissenschaft mit den oben genannten Paradigmen erheblich bei.
Ein Ansatzpunkt für Veränderungen kann darin liegen, dass im Rahmen der Analyse der Evolution in biologischen, ökologischen und sozialen Systemen zunehmend die These vertreten wird, dass nicht die Konkurrenz, sondern das kooperative Zusammenwirken der Mitglieder und Faktoren des Systems das primäre Muster der Evolution darstellt. In diesem Kontext kann eine Betrachtung der Wirtschaft als ein auf Kooperation und Verständigung ausgerichtetes Teilsystem in Koevolution mit Gesellschaft und Natur/Mitwelt einen Beitrag zu Änderungen in der ökonomischen Theorie und Praxis leisten.

Dr. Andreas Weber
Für ein neues Bios der Lebendigkeit im “Anthropozän”
-Die gegenwärtige Ideologie der toten Materie, der mechanischen Kausalität und des Ausschlusses subjektiver Erfahrung in Ökologie und Ökonomie sind verantwortlich für unser Versagen, Lebendigkeit in der Welt zu schützen.
-Die Herausforderung des “Anthropozän” und des Endes des Dualismus im Stil der Aufklärung besteht darin, ein neues “Bios” in unserem Konzept von Wirklichkeit zu installieren, das die Welt als einen lebendigen Prozess einander verwandelnder Beziehungen versteht, die Subjektivität und Ausdruck hervorbringen: “Enlivenment”.
-Die Reichweite der “Enlivenment”-Perspektive enstpricht dem Umbruch in der modernen Physik, als diese verstand, dass jeder Beobachter mit dem, was er sieht, verschränkt ist. Biologische Verschränkung geschieht emotional und erfahrungspraktisch durch das Teilen der Lebendigkeit mit anderen Wesen und unserer existentiellen Verbindung zu ihnen.
-Um dem “Enlivenment” gerecht zu werden, müssen wir eine “Politik des Lebens” entwickeln. Diese ist eine neue politisch-philosophische Haltung, um “Tiefennachhaltigkeit” möglich zu machen. Dabei ersetzt sie die Idee von Wirklichkeit als Iteration empirischer Fakten durch eine “empirische Subjektivität” aus geteilter Lebendigkeit heraus und eine “poetische Objektivität” der praktischen Teilnahme durch gegenseitige Transformation.

Prof. Dr. Ulrich Witt
Evolution ist immer ein Mehrebenen-Geschehen. Eingebettet in das globale, natürliche Ökosystem dieses Planeten evolviert auch die menschliche Ökonomie. Allerdings tut sie dies nicht im Ganzen als ein funktional an seine Umwelt angepasstes komplexes System. Vielmehr findet diese Evolution durch die multiplen Anpassungen auf der Ebene des individuellen Verhaltens im Zuge des Ressourcenwettbewerbs zwischen Individuen, Gruppen und Gesellschaften statt. Die Kriterien, nach denen sich diese Form der Anpassung auf der „unteren“ Ebene richtet, sind nicht notwendig auch auf der Gesamtebene funktional. Wenn die generierten anthropogenen Entnahmen aus und Abgaben an das Ökosystem des Planeten ein bestimmtes Ausmaß erreichen, wie sie dies jetzt zu tun beginnen, kann die Angepasstheit der gesamten Ökonomie, also die Angepasstheit auf der Ebene der Spezies homo sapiens, untergraben werden. In der Natur werden Anpassungskonflikte in komplexen Systemen mit mehr-ebenen Anpassungsprozessen, wenn sie kritisch werden, durch natürliche Auslese sanktioniert, d.h. den Nieder-/Untergang der jeweiligen Systeme. Wenn dieses Schicksal der menschlichen Spezies erspart bleiben soll, müssen sich die Kriterien der Anpassung auf der individuellen Ebene, also des Ressourcenwettbewerbs ändern. Es ist eine Illusion zu glauben, dass dies ohne Eingriffe in individuelle Rechte durch eine „unsichtbare Hand“ geschehen könnte.

Dr. Christine Zunke
„Was einen Preis hat, an dessen Stelle kann auch etwas anderes, als Äquivalent, gesetzt werden; was dagegen über allen Preis erhaben ist, mithin kein Äquivalent verstattet, das hat eine Würde.“ (I. Kant) Weil nur Menschen moralisch urteilen und handeln können, hat bei Kant allein die Menschheit eine Würde. Darum sind Menschen Selbstzweck und sich wechselseitig moralisch verpflichtet. Doch gibt es auch eine moralische Verpflichtung zum Erhalt der Natur?
Da Natur die Lebensgrundlage des Menschen ist, sind Natur- und Klimaschutz dringend geboten. Doch hat sich in der Umweltdebatte der letzten 30 Jahre diese anthropozentrische Sicht zunehmend zu der Frage hin verschoben, ob die Natur selbst einen moralischen Wert habe, der sich nicht darin erschöpft, bloßes Mittel für uns zu sein. Unter dieser Prämisse kehrt sich das Verhältnis um: Die Natur erscheint als dasjenige, was eine moralische Würde habe und von dem aus der Mensch moralisch verurteilt wird – als Störfaktor, der sich vom Naturzusammenhang emanzipierte und so seinen Platz im harmonischen Ganzen des Ökosystems verlor.
Dabei erscheint das Entsetzen über Massentierhaltung, Klimawandel, abnehmende Biodiversität etc. als Spiegel jener Ausbeutungsverhältnisse, denen die Menschen selbst unter kapitalistischen Produktionsbedingungen weltweit ausgesetzt sind. Der Ruf nach der Rettung der Natur ist immer ein Aufruf, unsere Lebens- und Wirtschaftsweise zu ändern. Hinter der vordergründigen Menschenfeindlichkeit, welche Natur zum moralischen Subjekt verklärt, verbirgt sich so letzten Endes ein Ruf nach der Rettung der Menschheit – und hierin liegt tatsächlich eine Würde, die über allen Preis erhaben sein muss.