5. In Beziehung sein

5. Arbeitsgruppe - In Beziehung sein - Praktiken jenseits von Individuum und Kollektiv

Teilnehmer
Dr. Irene Antoni-Komar, Silke Helfrich, Dr. Felix Rauschmeyer, Prof. Dr. Reinhard Schulz, Gerd Wessling

Pate
Christian Lautermann

Neue individuelle und kollektive Praktiken (Hör auf Dich!)

  • Wie kann die Dichotomie Kollektiv vs. Individuum aufgelöst werden?
  • Wie kann die Dichotomie Ich vs. die Anderen überwunden werden?
  • 2 Schritte: 1. Loslösen von Autoritäten 2. Arbeit an sich selbst
  • Wie könne neue Praktiken für Menschen relevant werden? (wie sind sie in die Einheit ihrer Körper, Denk-,
  • Sprach- und Handlungshaushalte integrierbar ?)
  • Wie können ad-hoc-Prozesse als Suchprozesse der Selbst-/Gemeinschaftsbildung verstetigt werden?
  • Um aus unserer Komfortzone rauszukommen, braucht man sichere und kreative Räume („konsequenzenlos“ → „handlungsentlastend“) → Aufblühen
    • Wie können wir eine Vielfalt dieser Räume schaffen?
    • Wie können wir die Ermöglichungsbedingungen für diese Prozesse einfach machen?
    • Wie können wir die passenden Methoden auswählen und anwenden? (Visionen von Rang, Methoden ohne Zwang)
  • Wie entstehen Brüche in alltäglichen, routinisierten Praktiken? Wer stößt sie an? Wie verlaufen Ansteckungsprozesse?
  • Wie können Menschen erkennen, dass sie bereits Akteure des Wandels sind? (mitgebrachte Potentiale entdecken und aktivieren!)
  • Welche Normalisierungstechniken („Betriebssysteme“, “kulturelle Prozesse“, Infrastrukturen) liegen auf uns drauf, die unsere Alltagspraxis konditionieren?
  • Wo sind die Grenzen, Sozialbeziehungen in den Technisierungs-, Verwaltung- und Verwertungsmodus einzubeziehen? Welche Balancen sind zu finden?
  • Welche Sprache kann all diese Aspekte angemessen abbilden?

    „In Beziehung Sein“ Praktiken jenseits von Individuum und Kollektiv
    Der Einfluss von guten Absichten und vernünftigen Entscheidungen wird überschätzt

  • Praktiken vermitteln zwischen Selbstbestimmung (Autonomie) und Fremdbestimmung (Anpassung)
  • Praktiken sind im Unterschied zu intentionalen Handlungen empirisch zugänglich
  • Praktiken sind
    • an bestimmte Orte und Zeiten gebunden,
    • kulturell eingebettet
    • mehr oder weniger verlässliche Routinen
    • auf Körper und Artefakte bezogen
  • Beispiele
    • Mit dem Auto zur Arbeit fahren
    • Im Urlaub nach Malle fliegen
    • Fleisch essen
    • Praktiken können institutionell verfestigt und verstetigt werden
      • Abwrackprämie, Kaufappelle, Pendlerpauschale
    • Praktiken können (auf)gebrochen werden → Das Selbstverständliche wird unselbstverständlich!
      • Natürliche Störungen (Flutkatastrophe)
      • Individuelle Störungen (Al Gore Film)
      • Soziale Störungen (Guerilla-/Protestaktionen)
      • Institutionelle Störungen (Ökosteuer)
    • Brüche haben an unterschiedlichen Orten, Zeiten und Kulturen unterschiedliche Folgen
      • Reaktionen auf Fukushima in verschiedenen Ländern…
    • Störungen können Praktiken reflexiv machen (irritieren und Neues veranlassen) → die Praktiken und ihre Richtungen können sich ändern
      • Wo?
      • Wann?
      • Wie?
      • Mit wem?

      Welche Methoden unterstützen Veränderungen?

    • Was sind angemessene Methoden, um die Prozesse des Wandels, die durch die Brüche ermöglicht wurden, zu unterstützen?
      • Methoden für sichere und nahe Räume, die inspirieren
      • Entwickeln neuer Geschichten und Visionen („Heuristik der Hoffnung“)
      • Methoden, die Kognition, Körperlichkeit, Emotionen verbinden
      • Phasen des Wandels erklären (individuell und kollektiv)
      • Ansteckungsgefahr erhöhen
      • Platz lassen für „Magie“, „göttliche Energie“ etc. -> Summe mehr als die Teile
    • Können wir die Prozesse lenken?
      • Durch inhaltliche Interventionen
      • Durch Stärkung der Verbundenheit zwischen Menschen
      • Durch das Transparenzmachen der Methoden
    • Was bedeutet dies für die Klimaproblematik?
      • Problem 1: Neue Praktiken können nicht von oben verordnet werden
      • Problem 2: Eine „virale Ausbreitung“ à la „Transition“ oder „Gewaltfreie Kommunikation“ ist nur eine Hoffnung. Denn die Klimathematik ist zu abstrakt, es fehlt die persönliche Betroffenheit
    • Wie können wir einen Bruch bei klimarelevanten Praktiken schaffen?
      • Über primäre, nähere Bezüge – Bsp. Verkehr über Lärm, Schmutz, Kosten ansprechen
    • Wie können wir Räume bei Klimaproblemen gestalten?
      • Methoden der Identifikation auch mit zukünftigen Menschen –Bsp. gleiche Grundbedürfnisse, Emotionen, …